Spielberichte

Die Rückkehr der alten Kampfschweine!

Wer hätte das gedacht? Nach zwei Spielen in der neuen Saison steht der Fortschritt mit der optimalen Punkteausbeute von sechs Zählern aber mal sowas von blendend da. Mit dem hart erkämpften aber vollkommen verdienten 3:1 im Derby gegen KAB besetzt man derzeit den zweiten Platz. Und auch, wenn dies zu diesem frühen Zeitpunkt nur eine Momentaufnahme ist, hat dieser Saisonstart durchaus eine gewisse Bedeutung und Aussagekraft.

Oldschool-Truppe mit Oldschool-Aufstellung

Samstagmorgen, kurz nach acht Uhr. Zwölf wackere Fortschrittkämpen treffen sich zum Auswärtsspiel im heimischen Laskerstadion, um sich dem hochmotivierten und nahezu in Bestbesetzung antretenden Derbygegner zu stellen. Aufgrund vieler Verletzungen und Krankheiten hat sich das Trainertrio um Neu-Coachin Momo etwas Besonderes ausgedacht. Die neue Übungsleiterin setzte sich mit der Idee durch, aus einer etwas defensiveren Grundausrichtung zu agieren. Zudem, ein wenig Oldschool darf ob des Altersschnitts der orangenen Helden von 41,8 Jahren schon sein, wird Matze mit einer Sonderaufgabe als „Kettenhund“ für den Spielmacher des KAB betraut. Rein optisch startet man also mit einem 4-3-1-2, wobei man aber vor der Abwehrkette mit, mehr oder weniger, drei „Sechsern“ agierte.

Kai wieder mit dabei

Im Tor stand aufgrund von Wadenproblemen Sepp, wofür Patte wieder „aus der Kiste“ durfte. Die Abwehrreihe war aber nicht nur durch diesen Wechsel nahezu komplett neu aufgestellt. Mit Kai und Steffen befand sich ein Ausbund an Routine in der Zentrale. Die Startaufstellung im Überblick:

Sepp - Mario, Steffen, Kai, Patte - René, Matze, Thomas - Micki - Marco, Roland
Wechsel: Mark für Patte (70.Minute)

Findungsprobleme beim Fortschritt

Man merkte den Friedrichshainer Alt-Internationalen an, dass man sich in Formation und taktischer Ausrichtung erst einmal finden musste. KAB versuchte oft, mit langen Bällen in den Rücken der Fortschritt-Abwehr zu gelangen, was auch zweimal klappte. Doch wehrte einmal Thomas einen strammen Schuss mit seiner strammen Wade ab, so reagierte Sepp das andere Mal im Stile eine Klassetorwarts á la Christian. Es dauerte bis etwa zur Mitte des ersten Durchgangs, ehe auch der Fortschritt im gegnerischen Strafraum vorstellig wurde. Nach einer Ecke von Patte köpfte Marco aus kurzer Distanz aufs Tor, doch der Keeper von KAB konnte mit einem Reflex ein Tor verhindern. Beide Teams neutralisierten sich nun zusehends und so war es nicht unbedingt verwunderlich, dass man mit einem torlosen Remis in de Halbzeitpause ging.

Umstellungen in der Halbzeit

In dieser veränderte Momo Aufstellung und damit auch die Taktik. Roland wurde aus dem Sturm ins Mittelfeld beordert, während Matze, weiterhin den Auftrag der Trainerin, „dem Zehner auf die Nerven zu gehen“ sehr gut ausfüllte.  Mit diesem 4-1-4-1 wollte man aber die durchaus wacklige Defensive der Gastgeber mehr beschäftigen. Zudem war mit Mark ein weiterer Spieler da, mit dem man zumindest eine Option für die Belebung der Offensive, wahlweise zur Stabilisierung der Defensive hatte.

Micki mit dem Führungstor

Und so startete die Friedrichshainer Combo engagiert in die zweite Hälfte der Partie. Es wurde versucht, schneller und schnörkelloser nach vorn zu spielen. Und es offenbarten sich dadurch in der Tat einige Lücken in der Abwehr von KAB. Nach einer Stunde war es dann soweit. Ein Eckball von Patte wurde von Marco benutzerfreundlich auf Micki abgelegt und der drosch die Kugel aus der Drehung und ohne viel Federlesens zum 1:0 unter die Latte. Großer Jubel auf dem Platz und auch außerhalb wurde man wieder toll unterstützt. Die Abteilung „aktive Rehabilitation“, bestehend aus Christian, Stephan und Björn war gekommen, ebenso wie natürlich die Fortschritt-Ultras: Mama, Oma, Tochter und Ehefrau von Marco.

Marco legt nach

Und eben dieser Marco war es dann auch, der den zweiten Treffer für das orangene Kombinat besorgte. Mario beendete in der 66. Minute einen wiederholt zwar wütenden, aber kopflosen Angriff der Hausherren rigoros und spielte einen langen Ball auf den Fortschritt-Stürmer, der sich zunächst stark im Zweikampf durchsetzte (wobei dieser etwas unübersichtlich war, hätte man ihn auch wegen Foulspiels des Verteidigers oder Handspiel von Marco unterbinden können), um dann den Torwart zu umkurven und zu guter Letzt den zurückgeeilten und auf der Torlinie harrenden Abwehrspieler auszugucken und den Ball dann ins Tor zu schießen. 2:0 für den Fortschritt.

Teamplayer Roland

Die Gäste hatten zu diesem Zeitpunkt Ball und Gegner im Griff. Vorne mit dem griffigen Marco und dem aufmerksamen Micki jederzeit gefährlich. Im Mittelfeld mit dem vorbildlich mannschaftsdienlichen Roland und mit Matze als personifizierte „Spielmachernervensäge“ stets auf Ballhöhe. Dazu mit den beiden Flügelspielern Thomas und René, die zweikampfstark (Thomas) und immer wieder antreibend (René) den Gegner vor mehr als ein Problem stellten. Auf den defensiven Außen mit dem sich immer mehr ins Spiel reinbeissenden Mario und gut stehenden Patte, sowie im Abwehrzentrum mit dem bärenstarken und spielsicheren Kai, sowie dem abgezockten und dazu noch gute Laune verbreitenden Steffen schier unbezwingbar – so sah sie aus, die fortschrittliche Mannschaftsleistung und wenn dann doch einmal ein Angriff „durchflutschte“, gab es mit Sepp einen absolut sicheren und souveränen Rückhalt im Tor.

Kurzzeitige Turbulenzen

Dennoch kam man kurzzeitig in Schwierigkeiten. Steffen wurde in der 75.Minute nach seinem zweiten Foul mit der gelbroten Karte vom Platz gestellt und kurz danach stand es urplötzlich nur noch 2:1.  Eine Ecke der Hausherren wurde lang und länger, Sepp stieg hoch, verfehlte aber die Kugel wie weiland Toni Schumacher im WM-Finale von 1986 und die Kugel fiel zu allem Unglück einem KAB-Stürmer auf den Kopf und von da ins Tor. Sollte diese Partie tatsächlich noch kippen?

Mark: Vorbereiter und Pädagoge

Die Antwort lautete: Nein. Und dies lag nicht zuletzt am eingewechselten Mark. Kurz zuvor für den angeschlagenen Patte aufs Feld gekommen, brachte Mark erst die Kapitänsbinde und dann sich in Positur (und ganz nebenbei erhöhte er auch noch einmal den Alterschnitt auf 42,2 Jahre).  Keine Anlaufzeit benötigend, war er sofort im Spiel und half mit, das kurz aufflackernde Hoffnungsflämmchen KABs auszupusten. Mit einer Energieleistung brachte er in der 79.Minute das 3:1 in die Spur. Ein Pressschlag am eigenen Strafraum, ein Pressschlag an der Mittellinie, ein Antritt wie seinerzeit Kevin Keegan beim HSV und ein gefühlvoller Lupfer über den Torwart an den Pfosten – allein diese Aktion wäre mindestens ein Tor wert gewesen, doch der Abpraller landete bei Marco und der, selbstbewusst wie Franck Ribery, schweißte den Ball direkt und ohne zu zucken ins Tor. Dass Mark im Torjubel auch noch pädagogisch auf Marco einwirkte, der sich zunächst verbal, dann leicht körperlich mit Abwehrspieler und Keeper der Gastgeber beschäftigte, anstatt seinen zweiten Treffer amtlich zu bejubeln,  zeigt zusätzlich den hohen Stellenwert des als HSV-Fans für den Fortschritt.

Zwei Spiele, zwei Siege

Das Spiel war nun entschieden, KAB hatte nichts mehr zu bieten und der Fortschritt verzichtete mangels Kondition auf weitere sportliche Tiefschläge in Form von Toren. Obwohl Mark kurz vor Abpfiff noch einmal einen auspackte und einen Befreiungsschlag des KAB-Torhüters direkt abnahm und ihn über den Keeper aber leider auch knapp über das Tor hob. Am Ende stand ein verdienter Sieg, schwer erarbeitet aber umso wichtiger. Wieder einmal zeigte der Fortschritt, dass es nur gemeinsam und nur über den Kampf geht. Und wieder gab es kein „Getutter“ sondern immer wieder positiven Zuspruch und motivierende Ansprache untereinander. Wenn sich nun die Verletztenliste weiter verkleinert, die Laufwege noch besser abgestimmt werden und sich das Wissen, dass man in jeder Partie an seine Grenzen gehen muss weiter verfestigt, steht einer sorgenfreien Saison eigentlich nichts im Wege. Das Schlusswort soll Trainerin Momo an dieser Stelle haben, die den Derbysieg wie folgt kommentierte: „Hihi!“

Patte