Spielberichte

Harter Kampf, viele Tore und eine überglückliche Trainerin!

In der Freizeitliga ist es wahrscheinlich wie in vielen anderen nationalen und internationalen Spielklassen. Vor Beginn einer neuen Saison stellt man sich die Frage, wo man steht. So natürlich auch beim Fortschritt aus Friedrichshain. Nach einer durchaus schweren Saison startete das Trainerteam René, Micki und Momo durchaus optimistisch. Und die Berufung der vermutlich ersten (und in diesem Status ziemlich einsam da stehenden) Momo als „Der Trainerin“ des orangefarbenen Kombinats kann durchaus als Coup bezeichnet werden. Neue Einflüsse, ein nüchterner und fachkundiger Blick „von außen“ auf die Mannschaft, sowie eine neue, andere Ansprache an die Spieler – all das bringt die ehemalige Spielerin der Niederrheinauswahl mit.


Lange Ausfallliste

Vor dem ersten Match beim Rixdorfer SV galt es aber für das neuformierte Trainertrio (das hoffentlich baldmöglichst auch wieder von Tobi unterstützt wird) zuallererst, überhaupt elf Spieler auf den neuen Kunstrasen in der Innstrasse zu bringen. Urlaube, Krankheiten und einige komplizierte Verletzungen trieben dem Trainerkollektiv so manch Sorgenfalte auf die Stirn. Die Liste derer, die nicht mittun konnten, liest sich durchaus, wie das Gros einer schlagkräftigen Anfangsformation: Christian, Björn, Jens, Philipp, Peter, Bertram, Kai, um nur einige zu nennen.


Neue Positionen für Patte und Stephan

Da mit Thomas auch der Ersatzkeeper ausfiel, jedenfalls für die Position zwischen den Pfosten, entschied man sich dazu, Patte mit seinen fast 38 Jahren zu seinem Torwartdebüt zu verhelfen. Mit einem taktisch flexiblen 4-1-3-2 wollte man den technisch beschlagenen Gastgeber vor Probleme stellen. Wobei klar war, dass man aus der Grundformation auch in ein 4-4-2 oder gar in ein 4-3-3 wechseln sollen könnte. Dennoch war die Nominierung von Stephan als alleinigen „Sechser“ so riskant, wie logisch. Denn der Fast-Neuzugang vereint spielerische Klasse und Übersicht mit Einsatz- und Laufbereitschaft.

Der Fortschritt begann also mit folgender Elf:
Patte-  Matze, Mario, Seb, Thomas –  Stephan – Micki, Roland, Mark  – Marco, Boris  (Auswechselspieler: René)


Marco mit guten Chancen und nachtkalten Aussichten

Die Hausherren begannen engagiert, wenn auch ein wenig manchmal zu verspielt. Beim Fortschritt merkte man, dass sich das Team sowohl was die Spielzeit im Allgemeinen, als auch was die taktische und personelle Ausrichtung im Speziellen angeht, erst finden musste. So fehlte ein wenig die Ruhe im Spielaufbau und auch im Abschluss agierte man manchmal durchaus so fahrig, dass sich Marco bereits nach einige Minuten und zwei guten Einschussmöglichkeiten die Drohung seiner Frau anhören musste, die Nach möglicherweise „auf dem Balkon“ verbringen zu müssen.

Überraschende Führung für Rixdorf

Da der Gegner wenig nach vorn zustande brachte, fiel die Führung für Rixdorf dann doch ein wenig überraschend. Ein kluger Pass in die Schnittstelle der Friedrichshainer Viererkette, ein etwas zögerlicher Patte beim Herauslaufen und nach etwa 20 Minuten stand es 0: 1 aus Sicht der Gäste.

Faire Geste des Rixdorfer Kapitäns

Wenig später dann fiel das 0:2 – dachten alle. Eine etwas verunglückte Flanke geriet dermaßen aus der ihr zugedachten Flugbahn, dass Patte sich verschätzte und der Ball am langen Pfosten landete, von wo er ins Feld zurückprallte und vom Rixdorfer Stürmer im Tor untergebracht wurde. Einziger Haken: Der Spieler benutzte seine Hand , um den Ball in einer Mischung aus Diego Maradona und Oliver Neuville in die Maschen zu klatschen. Der Schiedsrichter entschied auch zunächst auf Tor, bis man ihn von Seiten der orangenen Kicker darauf aufmerksam machte, dass bei diesem Tor durchaus etwas nicht stimmte. Also nahm sich der Spielleiter den Stürmer der Gastgeber zur Seite und befragte ihn zu dieser Szene – und der Mann mit der Rückennummer 54, gab zu, den Ball mit der Hand gespielt zu haben und so blieb es beim bis dato einzigen Treffer. Eine äußerst faire, nicht selbstverständliche und deshalb bemerkenswerte Geste des Kapitäns des Rixdorfer SV, die auch hier noch einmal gewürdigt werden soll.

Halbzeitführung für den Fortschritt

Die Friedrichshainer Kiezkicker erholten sich langsam vom Schock des Führungstreffers und starteten nun ihrerseits einige vielversprechende Angriffe. Doch es dauerte etwa bis zur 30.Minute, bis man die Schüchternheit, die man beim letzten Pass zu haben schien, ablegen konnte. Zunächst war es wieder Marco, der eine tolle Chance hatte, doch sein Flachschuss klatschte vom Innenpfosten zurück ins Spielfeld. Doch in der 35.Minute war es soweit. Roland bediente Boris im Strafraum, dieser drosch den Ball zunächst an den verlängerten Rücken eines Abwehrspielers, den Abpraller jedoch setzte er zum Ausgleich ins lange Eck. Riesenjubel auf und neben dem Platz, der fünf Minuten noch größer wurde. Nach einem Foul kurz vor der Strafraumgrenze, nahm sich Mark Ball und Freistoß an und schweißte den Ball mit der Kraft eines Pferdes und der Genauigkeit eines Augenchirurgs zur 2:1 Führung ins Tor.

Marcos Tor fürs Ehebett

In der Halbzeit gab Momo dann die Devise aus, weiter so zu spielen. Defensiv liefen die Friedrichshainer um ihr Leben und agierten äußerst diszipliniert. Für den stark spielenden und toll kämpfenden Matze kam nun René in die Partie. Und das Mitglied des Trainertrios brachte sich sofort auch mit vollem Einsatz und Elan ins Spiel ein.
Marco schien sich mit der Tatsache, eine Nacht nicht im Ehebett, sondern auf dem Balkon schlafen zu müssen, nicht abfinden zu wollen und arbeitete weiter an einem Tor – und wurde nach einer Stunde belohnt. Boris legte den Ball quer und Marco verwandelte aus etwa 16 Metern kompromiss- und humorlos: 3:1 für den Fortschritt.

Seb umsichtig, Stephan kampfstark

Man schien das Spiel nun im Griff zu haben. Seb organisierte die Abwehr wie weiland Morten Olsen beim FC,  Stephan ackerte auf der Sechserposition und streute ab und an auch noch fußballerische Leckerbissen ein.

Tore im Minutentakt

Plötzlich dann aber zerstörte ein Pfiff die fußballerische Idylle beim Fortschritt. Thomas bekam den Ball bei einer Abwehraktion unglücklich an die Hand und so gab es folgerichtig Elfmeter. Patte im Tor ahnte zwar die Ecke, hatte aber gegen den scharfen und platzierten Schuss keine Chance.
Doch, angefeuert den zahlreich erschienenden Fortschritt-Anhang, gab es keinerlei Anzeichen für eine negative Reaktion beim Fortschritt. Im Gegenteil: nur wenige Minuten nach dem Anschlusstreffer stellte man den alten Abstand wieder her. Mark zirkelte einen Freistoss von halbrechts an den langen Pfosten und dort stand, im Stile von Jupp Heynckes, Micki goldrichtig und zeigte, dass er sein Auge und seine Routine in der Sommerpause nicht verloren hat.
Nun war es ein offenes Spiel mit vielen schnellen Angriffen auf beiden Seiten. Ein etwas unglücklicher Schuss kullerte an Patte zum 3:4 ins Tor. Doch nur eine Minute später dann Boris mit seinem zweiten Treffer. Nach Vorlage von Roland ließ er dem Rixdorfer-Keeper nicht den Hauch einer Chance und machte das fünfte Tor.

René als unermüdlicher Antreiber

Die Hausherren verloren nun jede Ordnung – die fortschrittlichen Friedrischainer dagegen zunehmend an Kondition. Einzig der eingewechselte Rene´ schien sich mit dem 5:3 nicht zufrieden geben zu wollen und trieb seine Mitspieler immer wieder an. Doch der bedingungslose Kampf und der Mangel an personellen Alternativen forderten nun ihren Tribut. Fünf Minuten vor Schluss kam Rixdorf noch einmal heran und erzielte aus leicht abseitsverdächtiger Position das 4:5. Doch mit letztem Einsatz brachte man diesen Sieg über die Zeit.

Gelungenes Trainerdebüt für Momo

Erleichterung, Freude, gepaart mit etwas ungläubigem Staunen waren den ausgepunpten Spielern anzusehen. Momo tanzte vor Freude über den Platz und wusste gar nicht, wen sie zuerst umarmen sollte. Marco sah gedankenverloren auf seinen auf der anderen Strassenseite liegenden Balkon. Der Arme war bis fünf Minuten nach Schlusspfiff der Meinung „nur“ 4:4 gespielt zu haben. Boris strahlte über beide Ohren und Seb wollte diesen tollen Erfolg sogleich mit einem Bier begiessen.

Verdienter Auswärtssieg

Fazit: Fortschritt startet mit einem hart erkämpften aber verdienten Sieg in die neue Saison. Hervorgehoben werden muss die immense Laufbereitschaft jedes Einzelnen und die absolut positive (Körper-) Sprache. Es gab kein Gemecker und Gemaule. Jeder feuerte den anderen an. So kann und darf und muss es weitergehen.